Ist Pregnenolon das Superhormon fürs Gedächtnis?

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Vor einiger Zeit flatterte mir die Werbung für ein Nahrungsergänzungsmittel auf den Schreibtisch. Es heißt Pregnenolon und soll, so der Prospekt, die Lern- und Gedächtnisfähigkeiten signifikant verbessern. „Die stärkste Substanz, die je zur Verbesserung des Gedächtnisses getestet wurde,“ verspricht der Anbieter. Schauen wir uns an, was dahintersteckt und was davon zu halten ist.

Pregnenolon wurde in den 1930er Jahren entdeckt und früher als „Mutterhormon“ der Steroide bezeichnet. Chemisch betrachtet ist Pregnenolon ein Vorläufer oder Prohormon der Steroidhormone. D.h. es hat selbst keine hormonelle Wirkung, der Organismus kann daraus aber Steroidhormone bilden, wie zum Beispiel Progesteron, ein Sexualhormon oder DHEA, das häufigste Steroidhormon beim Menschen. Letzteres wird in der Laienpresse häufig als „Jungbrunnen-Hormon“ bezeichnet und soll die Alterungsprozesse verlangsamen. Seine physiologische Rolle im Organismus ist jedoch noch ungeklärt.

Zur Wirkung von Pregnenolon steht folgendes im Werbetext:

„Am Anfang des zweiten Weltkriegs wurde Pregnenolon an gesunden Freiwilligen getestet, um ihre Lern- und Gedächtnisfähigkeit zu erforschen. Eine erhebliche Verbesserung der psychomotorischen Leistungen wurde festgestellt (Massachusetts University, USA). Einige Jahre später zeigte eine Studie mit Piloten der amerikanischen Armee, dass Pregnenolon die Stress- und Müdigkeitsgefühle reduziert und dies ohne beträchtliche Nebenwirkung (Pincus).

In den 90er Jahren bekam Pregnenolon besonderes Interesse, dadurch dass es die Lern- und Gedächtnisfähigkeiten signifikant verbessert. Die amerikanischen Biochemiker haben herausgefunden, dass eine intravenöse Gabe von Pregnenolon in mehrere Gehirnteile von alten Mäusen deren Gedächtnisfähigkeiten erheblich erhöhte (Roberts, Flood). Ein französischer Professor zeigte zur gleichen Zeit, dass der Pregnenolonspiegel in den Nervenzellen von Mäusen mit dem Alter sinkt (Baulieu). Infolge der Pregnenoloninjektionen wiesen diese alten Tiere die gleichen räumlichen Gedächtnisleistungen wie diejenigen der jungen Nagetiere auf (Baulieu; Le Moal).“ Soweit der Prospekt.

Klingt gut, aber stimmt es auch?

Tatsächlich konnte man nachweisen, dass Pregnenolon die Aktivität der Nervenzellen steigert und so besonders das Gedächtnis positiv beeinflusst. Allerdings sind alle Studien dazu schon recht betagt, die jüngste ist über zehn Jahre alt. Derzeit wird Pregnenolon intensiv als Mittel bei Schizophrenie untersucht, anscheinend sogar mit Erfolg. Eine Substanz, die irgendwelche Wirkungen im Körper hat, hat meist auch Nebenwirkungen. Im Prospekt steht davon gar nichts, deswegen habe ich recherchiert.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Auf den deutschen Internetseiten des Anbieters sind keinerlei Nebenwirkungen angegeben. Auf amerikanischen Seiten, von wo das Mittel importiert wird und wo es bereits stärker verbreitet ist, finden wir jedoch eine ganze Reihe von Nebenwirkungen:

  • Schlaflosigkeit oder auch Müdigkeit
  • Erregtheit, Wut und Angst
  • Akne
  • Kopfschmerzen bis zu schlimmen Dauerkopfschmerzen
  • Haarausfall
  • Herzrhythmusstörungen (sogar schon bei geringen Dosen von 5 mg)
  • unbekannte Effekte auf Schilddrüse und andere Organe und Gewebe

Die meisten dieser Nebenwirkungen sind nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass der Organismus die Substanz hauptsächlich in verschiedene Sexualhormone umwandelt.

Mit Hormonen nicht herumpfuschen!

Hormone sind sehr wirkungsvolle Werkzeuge des Organismus. Er setzt sie dann ein, wenn er an mehreren Stellen gleichzeitig längerfristige Veränderungen hervorrufen will. Im menschlichen Körper wurden bisher 150 verschiedene Hormone gefunden, man schätzt aber, dass es mehr als 1000 sind. Die meisten stehen in komplexen Beziehungen zueinander. Wenn man an einem Schräubchen dreht, verändern sich viele andere mit, manche nach oben, andere nach unten. Das ist kaum zu kontrollieren, ja sogar die Natur selbst hat damit ihre Schwierigkeiten. Denken Sie nur an die Hormonumstellungen in Pubertät, Schwangerschaft oder in den Wechseljahren und welche vielfältigen, teilweise unschönen Nebeneffekte dabei auftreten. Meiner Meinung nach sollte man mit Hormonpräparaten nicht herumpfuschen. Ich würde in den komplexen Hormonhaushalt meines Körpers nur dann eingreifen, wenn es medizinisch notwendig ist und ärztlich überwacht wird.

Übrigens: In den USA, wo Pregnenolon frei erhältlich ist, wird eine Dosis von maximal 5-10 mg pro Tag empfohlen. Der deutsche Internethändler, dessen Werbung mir vorliegt, vertreibt das Hormon-Präparat aber in zehnfach höherer Konzentration, nämlich als 50 und 100 mg Kapseln!

Fazit: Aus gutem Grund sind Hormonpräparate wie DHEA (Prasteron) in Deutschland verschreibungspflichtig und nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Da Pregnenolon aber nur ein Prohormon ist, existiert hier offensichtlich noch eine rechtliche Grauzone. Trotzdem halte ich solche Angebote, wie man sie zur Zeit im Internet findet, für gesundheitlich bedenklich.

Dr. Markus Numberger, Inhaber von Healthcare-Content-Marketing, macht seit 2000 hauptberuflich online- und Content-Marketing im Gesundheitsbereich, zuerst alos Angestellter in der Pharmaindustrie und jetzt als Selbständiger.

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